Die Lage spitzt sich zu – Leverkusen tief in der Fanunfreundlichkeit

In wenigen Tagen steht unser diesjähriges Auswärtsspiel in Leverkusen an. Ob alle Werder-Fans vor Ort sein werden, ist dabei erneut fraglich.

In den letzten Jahren hat sich eine Praxis bei Bayer 04 etabliert, die Schikane von Fußballfans groß schreibt. An den Toren werden Fans in „stichprobenartige“ Sonderkontrollen gedrängt. Das wollte sich letzte Saison ein Teil der Werder-Fanszene nachvollziehbarer Weise nicht bieten lassen und ist dem Stadion ferngeblieben, trotz gültiger Eintrittskarte. Bereits im letzten Jahr haben wir auf die Kontrollmaßnahmen hingewiesen und die fanfeindlichen Bedingungen kritisiert.

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Einkesselung der Werder-Fans beim Nordderby 2017 war rechtswidrig

Wenn der SV Werder am kommenden Sonntag zum Derby beim Hamburger SV antritt, wird es für nicht wenige Werder-Fans über elf Jahre her sein, dass sie ihren Verein im Volksparkstadion das letzte Mal unterstützen konnten. Die Gründe hierfür liegen nicht nur in der langjährigen Zweitklassigkeit des HSV und den pandemiebedingten Einschränkungen beim letzten Aufeinandertreffen im Februar 2022. Vor allem sorgten massiv überzogene Polizeimaßnahmen sowohl beim Derby im April 2016 als auch im November 2016 sowie zuletzt im September 2017 dafür, dass große Teile der aktiven Fanszene den Gästeblock im Volksparkstadion nie erreichten. Aus vielen guten Gründen war die Fanszene jeweils den freiheitseinschränkenden und gesundheitsgefährdenden Anreisevorgaben der Hamburger Polizei ganz bewusst nicht gefolgt.

Aus dieser Weigerung konstruierte die Polizei den absurden Vorwurf einer „konspirativen Anreise“ und hielt am Spieltag 2017 auf einem Supermarkt-Parkplatz in Stadionnähe 171 Werder-Fans sechs Stunden lang fest – um sie anschließend, eine Stunde nach Spielende, geschlossen zurück nach Bremen zu schicken. Eine machtversessene Schikane, die nicht zuletzt der SV Werder in Person seines damaligen und heutigen Präsidenten Hubertus Hess-Grunewald mit deutlichen Worten kritisierte.

Was bislang nicht öffentlich bekannt war: Der Vorfall beim Derby 2017 hatte auch ein gerichtliches Nachspiel. Zwei der 171 Festgesetzten klagten vor dem Verwaltungsgericht Hamburg. Damals gab es die Grün-Weiße Hilfe noch nicht, doch freundlicherweise wurden die beiden Kläger vom bundesweiten Fanrechtefonds unterstützt. Die Verfahren beim Verwaltungsgericht zogen sich über Jahre hin, da die zuständige Kammer durch zahlreiche Klagen zum G20-Gipfel im Sommer 2017 stark beansprucht war. Erst mit Urteil vom 6. April 2023 stellte das Verwaltungsgericht in beiden Verfahren fest, „dass die nach Durchführung der Identifizierungs- und Durchsuchungsmaßnahmen erfolgte Einschließung des Klägers am 30. September 2017 rechtswidrig war.“ Damit errang Hamburg seit 1986 in der Disziplin „Rechtswidrige Polizeikessel“ mindestens zwei Meistertitel mehr als im Männerfußball – Gratulation an die Elbe. In Sachen rechtswidrige Polizeiaktionen spielt die Stadt nicht erst seit dem G20-Gipfel in der Champions League.

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Demo für Fankultur und Freiheitsrechte

Moin Werder-Fans,

wir möchten an dieser Stelle den Demo-Aufruf aus der Werder-Fanszene mit euch teilen. Kommt am 03.12. mit auf die Straße und setzt ein lautstarkes Zeichen für Fankultur und Freiheitsrechte:

Vom 3. bis 5. Dezember findet in Bremen die Innenministerkonferenz (IMK) statt. Dort stehen Konzepte auf der Tagesordnung, die tief in unsere Freiheitsrechte eingreifen. Was heute als Maßnahme gegen Fußballfans verkauft wird, ist Teil einer allgemeinen „Law and Order“-Politik, die am Ende die gesamte Gesellschaft trifft.

Die Konsequenz daraus ist, dass es die Fankultur, wie wir sie kennen, in Zukunft nicht mehr geben wird. Fußball soll nur noch konsumiert werden, während Meinung und Mitbestimmung Stück für Stück verdrängt werden. Wichtig ist: Nicht nur aktive Fanszenen sind betroffen, sondern alle Menschen, die Werder und den Fußball leben, egal ob auf der Nord, der Süd, im Familienblock oder zuhause. Denn die Maßnahmen richten sich nicht gegen Fehlverhalten Einzelner, sondern würden flächendeckend alle Menschen im und um das Stadion betreffen, also das gesamte Stadionumfeld. Personalisierte Tickets, pauschale Stadionverbote und Gesichtserkennung wären Schritte in eine kontrollorientierte Verwaltung, die gesellschaftliche Freiräume schwächt statt stärkt. Es geht längst nicht mehr nur um Fußball, sondern um die grundsätzliche Frage, wie selbstbestimmt eine Gesellschaft bleiben kann.

Deshalb rufen wir Werder-Fans, alle Unterstützende und alle Interessierte dazu auf, sich uns am 3. Dezember um 18.15 Uhr am Weserstadion anzuschließen. Nach einer kurzen Kundgebung gehen wir gemeinsam los und setzen ein Zeichen für eine offene, solidarische Gesellschaft und eine lebendige Fankultur, die sich nicht verwalten lässt.

Wir sehen uns am 3. Dezember am Weserstadion!

Bremen kriegt ein neues Polizeigesetz – was kommt da auf uns zu?

Die Bremer Regierungskoalition will das Polizeigesetz umfassend ändern. Vorgesehen sind neue Regeln zu Meldeauflagen, Gefährderansprachen, Polizeidrohnen, elektronischen Fußfesseln, Bodycams, Videoüberwachung, V-Leuten, verdeckten Ermittlungen, Datenauskünften und Benachrichtigungspflichten.

Was steckt hinter diesen Änderungen – und was bedeuten sie für uns Fußballfans und für die Menschen in Bremen? Wir stellen die geplanten Neuerungen vor und diskutieren ihre möglichen Folgen.

Mit dabei sind zwei erfahrene Rechtsanwält*innen, die viele Fälle der Grün-Weißen Hilfe begleitet haben und als Sachverständige im Gesetzgebungsverfahren angehört wurden:

Lea Voigt, Vorsitzende des Ausschusses Recht der Inneren Sicherheit im Deutschen Anwaltverein
Nils Dietrich, Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein

Donnerstag, 20. November 2025, 19 Uhr, OstKurvenSaal, Weserstadion


Die Veranstaltung ist kostenfrei, für alle offen und barrierefrei zugänglich.

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Neue Kampagne gegen polizeiliche Desinformation im Internet: Der zivilgesellschaftliche Zusammenschluss „Logout – Polizei raus aus Insta, Tiktok und Co!“ geht online.

Heute startet eine neue Kampagne aus der Zivilgesellschaft, entstanden heraus aus dem Dachverband der Fanhilfen, die sich für eine sachliche und transparente Kommunikation durch Behörden auf digitalen Plattformen einsetzt. Unter dem Titel „Logout – Polizei raus aus Insta, Tiktok und Co!“ rufen wir zu einem kritischen Umgang mit polizeilicher Öffentlichkeitsarbeit allgemein und im Besonderen auf sozialen Netzwerken auf. In letzter Konsequenz fordern wir die gänzliche Abschaltung der polizeilichen Social Media Accounts.

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Fanhilfen verlangen Stopp zunehmender Kriminalisierung von Fußballfans auf bundesweitem Treffen

Am heutigen Tage fand sich der Dachverband der Fanhilfen e .V. zu seinem jährlichen bundesweiten Treffen in Hamburg zusammen. Daran nahmen Fanhilfen von 30 Vereinen aus ganz Deutschland teil und sprachen sich mit deutlichen Worten gegen die zunehmende Kriminalisierung von Fußballfans aus. Es wurde ein Umdenken in Politik und Polizei gefordert. Die Pläne des sogenannten …

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Kontrollsucht beim Deutschen Meister?

In wenigen Tagen steht unser diesjähriges Auswärtsspiel bei Bayer 04 Leverkusen an. Beim Blick auf die vom Heimverein veröffentlichten Fanhinweise fiel uns als Fanhilfe folgender Passus auf:

Wichtiger Hinweis: Ab Stadionöffnung kann es zu stichprobenartigen Intensivkontrollen kommen, die durch unser Sicherheitspersonal in einem Container durchgeführt werden.

Schon im letzten Jahr wurden diese Kontrollen durchgeführt. Hielten wir diese zum damaligen Zeitpunkt noch für eine fragwürdige Sicherheitsmaßnahme, um ungebetene Leverkusener:innen im Gästeblock zu identifizieren (Heimfans hatten ein gesteigertes Interesse, das ausverkaufte Stadion selbst im Gästeblock zu betreten, da Leverkusen an diesem Tag einen Titel gewann), finden wir es zutiefst kritikwürdig, dass dieser Ansatz sich im regulären Spielbetrieb verstetigt. Zumal der Begriff „stichprobenartig“ nur dann einen Sinn ergibt, wenn es nicht um gezielte Kontrollen von Personen gehen soll, die sich im Einzelfall womöglich verdächtig gemacht haben, sondern dass ein Teil der Fans nur deshalb intensiv kontrolliert werden soll, weil man die Gesamtheit der Gästefans unter Generalverdacht stellt. Wir fordern darum die sofortige Abschaffung der Intensivkontrollen!

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Gewalt im Amt – Übermäßige polizeiliche Gewaltanwendungen und ihre Aufarbeitung im Kontext Fußball

Die Grün-Weiße Hilfe lädt ein:

Übermäßige Gewaltanwendungen durch Polizeibeamt*innen sind immer wieder Gegenstand der öffentlichen Debatte. Das Forschungsprojekt „Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamt*innen“ (KviAPol) hat auf Basis einer Betroffenenbefragung mit über 3.300 Teilnehmenden untersucht, in welchen Situationen von übermäßiger Gewalt berichtet wird, welche Folgen sich für die Betroffenen ergeben und warum sich für oder gegen eine Anzeige entschieden wird.

Ein Fünftel der Befragten schilderten dabei eine Gewalterfahrung im Rahmen eines Fußballspiels. Über 60 Interviews mit Polizeibeamt*innen, Richter*innen, Rechts- und Staatsanwält*innen sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen beschäftigten sich außerdem u. a. mit dem Umgang von Polizei und Justiz mit Vorwürfen rechtswidriger Gewalt. Der Vortrag stellt die Ergebnisse für den Bereich Fußball vor.

Laila Abdul-Rahman ist Kriminologin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Goethe-Universität Frankfurt a. M.. Im Mai 2023 erschienen die Ergebnisse der oben genannten Studie im Buch „Gewalt im Amt“, das Abdul-Rahman gemeinsam mit Hannah Espín Grau, Luise Klaus und Tobias Singelnstein verfasste (Campus Verlag). Es ist online kostenlos verfügbar.

21.03.2025, 19 Uhr, OstKurvenSaal im Weserstadion

Die Veranstaltung ist kostenfrei und für alle offen! Der Veranstaltungsort ist barrierefrei.

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Forderungen des Dachverbands der Fanhilfen an eine neue Bundesregierung

Am 23. Februar 2025 wird ein neuer Bundestag gewählt. Aus diesem Anlass hat der Dachverband der Fanhilfen Forderungen formuliert, um die Interessen und Rechte von Fußballfans in die Öffentlichkeit und das Bewusstsein der neuen Regierung zu bringen. Wir als Grün-Weiße Hilfe unterstützen diese Forderungen ausdrücklich.

Gerne hätten wir diese Forderungen im Sinne der Meinungsbildung in einer demokratischen Gesellschaft auch im Stadion verbreitet. Dies wurde leider durch die Geschäftsführung des SV Werder Bremen untersagt. Angeblich nicht wegen des Inhalts der Forderungen, sondern aufgrund von Nachhaltigkeitsbedenken bezüglich (bereits gedruckter!) Papierflyer. Darum findet ihr unsere Kurzforderungen nun ausschließlich auf dieser Website.

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Law statt Order – Der Kampf um den Rechtsstaat

Die Grün-Weiße Hilfe lädt ein:

Nach politischen Aktionen von Klimaschützer*innen, Schlägereien in Schwimmbädern oder dem Einsatz von Pyrotechnik beim Fußball werden regelmäßig Forderungen laut, nun müsse »mit der vollen Härte des Rechtsstaats durchgegriffen« werden. Gemeint ist damit: Schluss mit Entschuldigungen und Sozialarbeiter*innen-Romantik, dafür robustes Auftreten der Polizei und volles Ausschöpfen des Strafrahmens vor Gericht – kurz: »Law and Order«-Politik.

Dabei gerät in Vergessenheit, dass »Rechtsstaat« eigentlich etwas ganz anderes bedeutet, nämlich die Bindung staatlichen Handelns an das Gesetz. Maximilian Pichl analysiert, aus welchen Gründen und mit welchen Strategien politische Akteur*innen die skizzierte Umdeutung betreiben und welche Folgen sie hat. Diesen Bestrebungen setzt Pichl die lange Geschichte juristischer Kämpfe entgegen, in denen sich Anwält*innen und Aktivist*innen für eine Begrenzung politischer Willkür eingesetzt haben.

14.02.2025, 19 Uhr, OstKurvenSaal im Weserstadion
Veranstaltung mit Maximilan Pichl, Rechts- und Sozialwissenschaftler aus Frankfurt

Die Veranstaltung ist kostenfrei und für alle offen! Der Veranstaltungsort ist barrierefrei.