Gefährderansprache und -anschreiben

Insbesondere vor Derbys oder internationalen Turnieren kommt es des öfteren zu Gefährderanschreiben oder persönlichen Ansprachen. Eine Gefährderansprache ist eine Aufforderung, sich bei dem jeweiligem Spiel nicht an Straftaten zu beteiligen. Die Polizei will dir damit signalisieren, dass sie dich „auf dem Kieker“ hat und du unter Beobachtung stehst. Meist sind diese Ansprachen bzw. Briefe bewusst so geschrieben, dass es erstmal besonders dramatisch klingt und man darin als Gewalttäter*in dargestellt wird. Dies ist so gewollt und dient der Einschüchterung.

Tatsächlich ist die Gefährderansprache ein eher milderes Mittel. Eine Ansprache selber hat erst mal keine unmittelbaren Auswirkungen oder Konsequenzen. Um in den Fokus zu geraten, musst du nicht unbedingt etwas gemacht haben. Es reicht bereits ein Eintrag in einer dubiosen polizeilichen Datenbank oder eine Einschätzung eines „Szenekundigen“ Beamten aus. Die SKB sind normalerweise auch für die Erstellung und Übermittlung der Gefährderanschreiben zuständig.

Neben einer postalischen Zustellung kann es wie gesagt ebenso zu einer persönlichen Ansprache kommen. Die Polizei taucht dann bei dir zu Hause oder unter Umständen auf deiner Arbeitsstelle auf. Dies soll die stigmatisierende Wirkung verstärken. Sie versuchen so eventuell auch, einen Einblick in deine Wohn- und Lebenssituation zu bekommen, wenn sie es als ihre Aufgabe ansehen, möglichst viel über dich, dein Umfeld und die Strukturen, in denen zu dich bewegst, in Erfahrung zu bringen.

Was also tun?

Wie immer solltest du jegliche Gespräche mit den Beamt*innen unterlassen! Auch kein Smalltalk. Du hast rechtlich keine Mitwirkungspflicht, kannst also nicht gezwungen werden die Maßnahme mitzumachen. Allerdings kann es Sinn machen, dir die Ansprache anzuhören und dich danach freundlich aber bestimmt zu verabschieden. Sollte dies in der konkreten Situation nicht möglich sein, ohne dass andere Personen unerwünscht mithören können, kannst du versuchen, sie abzuwimmeln und auf ein andere Mal oder auf den Schriftweg zu vertrösten. Lass sie unter keinen Umständen in die Wohnung! Dazu haben sie keine Berechtigung. Lass dir zuvor den Dienstausweis zeigen. Fertige im Anschluss ein Gedächtnisprotokoll an und sprich mit deinem Bezugskreis über den unerwünschten Besuch. Informiere außerdem die GWH.

Ein persönlicher Besuch auf der Arbeitsstelle ist rechtlich zwar höchst fragwürdig, weil die Polizei zu diskretem Vorgehen verpflichtet ist, dennoch ist auch dies schon vorgekommen.

Wenn du noch nicht volljährig bist und die Polizei bei deinen Eltern auftauchen sollte, ist es wichtig, dass du mit deinen Eltern darüber sprichst. Kläre sie über die Situation auf und sagt ihnen, dass sie der Polizei den Zugang und jegliche Informationen über dein Privatleben verwehren sollen. Falls du Unterstützung dabei brauchst, sind die GWH und das Fanprojekt jederzeit ansprechbar. Diese können deinen Eltern aus neutraler Sicht die Situation erklären, dass Vorwürfe oft von der Polizei konstruiert sind und manches Ermittlungsverfahren sich später als „heiße Luft“ herausstellt.