Spätestens seit der Professionalisierung des Fußballs ging mit der steigenden Kommerzialisierung auch eine Privatisierung der Sicherheit einher. Vereine setzen seitdem auf privatwirtschaftliche Unternehmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Stadion. Die Polizei wird im Normalfall nur noch in Ausnahmesituationen und zur Strafverfolgung tätig.
Der Ordnungsdienst ist für die Kontrolle und Durchsetzung der Stadionordnung (mit der ihr euch beim Ticketkauf bzw. des Betretens des Stadions einverstanden erklärt) verantwortlich. Dazu wurde ihm das Hausrecht vom veranstaltenden Verein übertragen. Der Ordnungsdienst darf dazu zum Beispiel Anweisungen erteilen und Taschenkontrollen am Einlass durchführen. Was er aber nicht darf, sind polizeiliche Aufgaben übernehmen: Also keine Personalienfeststellungen, keine Festnahmen und keine körperlichen Durchsuchungen. Für ihn gelten nur die sogenannten „Jedermannrechte“, welche grundsätzlich allen Menschen zustehen, also Notwehr und das Festhalten von tatverdächtigen Personen bei Straftaten, bis die Polizei eintrifft. Jedoch überschreiten Ordner:innen oft ihre Kompetenzen oder wenden gar Gewalt an. In manchen auswärtigen Gästeblöcken ist es üblich, das dort besonders gewaltätige Securitys eingesetzt werden, die sich aus dem lokalen Hooligan-Mileu zusammensetzen.
„Vertrauensordner“
Bei Werders Auswärtsspielen werden seit einigen Jahren Heim-Order*innen mitgeschickt, die im auswärtigen Gästeblock die heimischen Ordnungskräfte unterstützen sollen. Dies geschieht, um Konflikte zu entschärfen, weil durch die Bekanntheit ein besonders vertrauliches Verhältnis angenommen wird. Jedoch kann und wird das im Zweifel für repressive Zwecke ausgenutzt. Die eingesetzten Order:innen sind nämlich keine Sozialarbeiter:innen, für ihre Aufgabenerfüllung ist eine enge Zusammenarbeit mit Polizei und Behörden zwingend notwendig. Insbesondere für die sogenannten „Szenekundigen Beamten“ sind sie aufgrund ihrer vermeintliche Kenntnis und Nähe zur Fanszene interessant und werden gerne als Zeug:innen befragt. So ist es nicht verwunderlich, dass Ordner*innen in der Vergangenheit bereits für Strafverfahren und Stadionverbote gegen Angehörige der Fanszene verantwortlich waren, teilweise durch Falschaussagen. Deshalb raten wir dazu, mit Informationen sensibel umzugehen und dem Ordnungsdienst gegenüber ein skeptisches und professionelles Verhalten an den Tag zu legen.
Falls du (am Spieltag) Probleme mit dem Ordnungsdienst bekommen solltest und/oder problematisches Verhalten beobachtest, zögere nicht, dich an uns zu wenden!