Stellungnahme zum Auswärtsspiel in Wolfsburg

Irritiert haben wir den Pressemitteilungen der Polizei Wolfsburg und des VfL Wolfsburg vom Samstagabend entnommen, dass der vermeintliche Auslöser des Konflikts der Versuch gewesen sein soll, einen nicht zugelassenen Gegenstand ins Stadion zu schmuggeln. Diese Darstellung deckt sich nicht mit unseren Beobachtungen.

Eine Chronologie:

Der Spieltag begann für viele Werder-Fans mit der Anreise per Bahn. Da uns kein sonderlich angespanntes Verhältnis zu Fans des VfL Wolfsburg bekannt ist, wunderten wir uns insbesondere angesichts der oft geäußerten Kritik an zu hohen Polizeikosten über die Begleitung des Zuges per Polizeihubschrauber ab Hannover. Beim Ausstieg in Wolfsburg wurden wir von entsprechend behelmten Polizeikräften, berittener Polizei und Drohnen in Empfang genommen. Bereits hier wurde deutlich, dass zumindest einzelne Polizeibeamte eindeutig konfrontativ und eskalierend eingestellt waren. So durften sich Werder-Fans die ersten verbalen Beleidigungen anhören.

Am Stadion angekommen kam es zum zwischenzeitlichen Höhepunkt der völlig verfehlten Sicherheitsstrategie. Der Auslöser soll der versuchte Schmuggel eines nicht zugelassenen Gegenstands gewesen sein. Dass diese Beschreibung der Geschehnisse bei uninformierten Lesenden zwangsläufig den Eindruck hinterlässt, dass dort in konspirativer Art und Weise hochgefährliche Materialien in den Stadioninnenraum gebracht werden sollten, ist eine Nebenfolge der polizeilichen Berichterstattung. Wir glauben nicht an einen Zufall oder ein Versehen. 

Tatsächlich handelte es sich um eine harmlose, gewöhnliche und grundsätzlich auch genehmigte Fahnenstange. Diese wurde – wie alle anderen Fanuntensilien auch – offen getragen und für alle Ordner sichtbar beim Einlass kontrolliert. Nachdem der junge Fan, welcher die Fahnenstange hielt, das Drehkreuz längst ordnungsgemäß passiert hatte, wurde dieser im Bereich des Treppenaufgangs wüst von einem Ordner gegen die Plexiglasscheibe gedrückt und körperlich angegangen. Im Nachgang haben wir rekonstruieren können, dass nur zehn Fahnenstangen erlaubt gewesen seien und es sich dort wohl um die elfte Fahnenstange gehandelt haben soll. Eine Nichtigkeit, die durch eine glaubwürdige Kommunikation auf Augenhöhe schnell hätte geklärt werden können. Keinesfalls rechtfertigt der Anlass das hektische und brutale Einschreiten des Ordnungsdienstes, der eigentlich wissen sollte, welche gruppendynamische Prozesse dadurch in Bewegung gesetzt werden. Es kam, wie es kommen musste: Nachdem andere Fans auf das rabiate Vorgehen des Ordners aufmerksam wurden, wollten diese dem Betroffenen beistehen.

Es kam nach unserer Wahrnehmung jedoch nicht zu  „massiven Angriffen“, wie es die Polizei schreibt, vielmehr war nun die Stunde der ohnehin schon konfrontativen Einsatzkräfte gekommen. Eine Vielzahl behelmter Beamt*innen lief in den Eingangsbereich und stellte den Treppenaufgang am unteren Ende zu, sodass niemand mehr nach unten ausweichen konnte. Nach oben hin staute es sich allerdings, da zu diesem Zeitpunkt viele Fans auf der Treppe standen. Ein Ausweichen zu den Seiten war aufgrund der Handläufe und der Höhe der Treppe genauso wenig möglich. Unmittelbar begannen Einsatzkräfte mit Faustschlägen auf Kopfhöhe und im Bereich der Nackenpartie in die erste Reihe der Fans einzuschlagen. Dabei wurden auch häufig auf die Rückenpartie bzw. die Hinterköpfe von Fans geschlagen, welche sich bewusst defensiv weggedrehten und erfolglos versuchten, dem gewaltsamen Vorgehen auszuweichen. Im Verlauf konnten wir auch Schläge und Tritte auf bereits am Boden liegende Personen dokumentieren. Im Außenbereich wurde zudem Pfefferspray eingesetzt.

Das Ende des Einsatzes war auf Fanseite eine bis dato nicht genau bezifferbare Anzahl an verletzten Fans. Insbesondere sind Platzwunden, Prellungen und mindestens eine angebrochene Rippe zu verzeichnen. Allerdings wurden nicht nur Fans vom aggressiven Verhalten der Polizei und des Ordnungsdienstes verletzt. Bisher nicht öffentlich bekannt ist der Umstand, dass auch Mitarbeiter der Fanbetreuung vom SV Werder Bremen trotz sichtbarer Akkreditierung und eines defensiven Auftretens beleidigt und geschlagen wurden. In einem Fall wurde eine Person vom Pfefferspray getroffen.

Die Polizei Wolfsburg tritt damit erneut durch einen völlig unverhältnismäßigen Polizeieinsatz in Erscheinung. An dieser Stelle sei an die Berichte von Fans des 1. FC Union Berlins und an unsere eigenen Erfahrungen mit einem rechtswidrigen Polizeieinsatz im August 2022 am dortigen Bahnhof zu verwiesen.

Wir bitten erneut alle Werder-Fans auf: Schickt uns eure Gedächtnisprotokolle zu und werdet Mitglied!