Neben ständiger Kriminalisierung und einer Vielzahl an Überwachungsmaßnahmen müssen Fußballfans mittlerweile auch mit einer Überwachung von sogenannten Verdeckten Ermittlern (VE) und der Anwerbung von V-Personen (VP) als Informant*innen durch Polizei und Geheimdienst (Verfassungsschutz) rechnen. In den letzten Jahren gab es etliche dokumentiere Fälle von solchen Anquatschversuchen. Auf eine parlamentarische Anfrage im Jahr 2013 gab die Bremer Innenbehörde bekannt, dass es vor 2010 mehrere Einsätze von VPs im Rahmen von Fußballspielen gegeben hat. Die bundesweite Dunkelziffer dürfte jedoch weitaus höher liegen. Behörden haben nämlich kein großes Interesse daran, ihre Praktiken transparent zu machen und stufen Vorgänge bei Gefahr der Öffentlichwerdung als geheim ein. Das hat nicht zuletzt der Fall des „NSU-Komplex“ bewiesen. Rechtsstaatlich ist all das mehr als fragwürdig.
Verdeckte Ermittler
Verdeckte Ermittler (VE) sind Polizist*innen die zur Informationsgewinnung gezielt in Szenen eingeschleust werden. Ihr Einsatz wird langfristig geplant und geschieht unter der Bildung einer Legende. VEs wird ein neues Leben konstruiert inklusive falscher Dokumente, Wohnung, Job usw. Legenden können auch so aufgebaut sein, dass Teile davon zur wahren Biografie gehören. Durch die Legende und ihre spezielle Ausbildung ist es schwierig bis unmöglich, VEs zu erkennen. Zwar können gewisse Ungereimtheiten im Lebenslauf Anhaltspunkte dafür sein, allerdings kann es auch tausend andere gute Gründe dafür geben. Niemand sollte vorschnell und ohne stichhaltige Beweise mit einem solchen Vorwurf konfrontiert werden. Nur durch Zufall wurden in den letzten Jahren in linken Zusammenhängen mehrere VEs enttarnt, die teilweise sogar Liebesbeziehungen mit den Bespitzelten eingegangen sind. Was das mit Betroffenen macht, ist kaum vorstellbar.
V-Personen
V-Personen (VPs) sind im Gegensatz zu verdeckten Ermittlern keine Polizist*innen, sondern meist szenezugehörige oder szenenahe Personen, die von Polizei oder Geheimdiensten angeworben werden. Sie sollen gegen Bezahlung oder andere Vergünstigungen Informationen aus der Szene an die Behörden weiterleiten.
Wie reagieren bei einem Anquatschversuch?
Wenn die Polizei dich als Spitzel anwerben will, heißt es natürlich jegliche Kooperation zu verweigern und das Gespräch sofort abzubrechen. Außer deinen Personalien musst du keine Daten angeben. Lass sie nicht in deine Wohnung und mach ihnen klar, dass sie von dir keine Informationen bekommen. Dir können dadurch keine Nachteile entstehen, auch wenn sie dir anderes suggerieren. Notiere dir die Namen und merke dir das Aussehen der Beamt*innen.
Neben finanzieller Zuwenden könnten sie dich mit Angeboten ködern, Verfahren einzustellen oder sich um andere private Problem zu kümmern. Dies liegt aber natürlich nicht alleine in ihrer Macht, fall nicht darauf rein!
Fertige im Anschluss ein Gedächtnisprotokoll an und mach den Vorfall in deinem Umfeld öffentlich. Auch wenn dir vielleicht schon etwas raus gerutscht ist, solltest du offen und ehrlich damit umgehen. Infomiere außerdem die Grün-Weiße Hilfe. Wir können dich in deinem weiteren Vorgehen beraten und deinen Fall ggf. öffentlich machen. Öffentlichkeit scheuen spitzelnde Beamt*innen am meisten. Das ist der beste Schutz damit sie dich in Ruhe lassen, andere Fans über ihre Praktiken gewarnt werden und ihre Kriminalisierung ins Leere läuft!