Polizeigewalt und Verletzungen durch Polizeikräfte

Immer wieder kommt es bei Fußballspielen zu massiver Polizeigewalt. Bei Übergriffen sollte man zunächst nicht in Panik geraten und versuchen einen kühlen Kopf bewahren. Wenn möglich, bleib mit deiner Gruppe bzw. deinen Bezugspersonen eng zusammen und beobachtet die Situation. Kettenbildung kann helfen Übergriffe abzuwehren. Beachte aber: Aktive Gegenwehr kann möglicherweise eine Strafanzeige wegen „Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte“ zur Folge haben. Schutzbedürftige Personen sollten in eure Mitte genommen werden. Wenn es die Situation erlaubt, zieht euch gemeinsam zurück.

Bei Verletzungen

Kümmere dich um verletzte Personen und probiere, falls erforderlich, medizinische Versorgung durch Sanitäter*innen zu organisieren. Pfefferspray lässt sich am besten mit klarem Wasser auswaschen. Falls du ins Krankenhaus musst, ist es unter Umständen ratsam eins zu wählen, was nicht direkt mit dem Geschehen in Verbindung steht. Manche Krankenhäuser arbeiten mit der Polizei zusammen und man kann schnell Beschuldigte*r oder Zeug*in einer Straftat werden, auch wenn man damit eigentlich nichts zu tun hat oder zu tun haben möchte. Grundsätzlich bist du in einem Krankenhaus nicht verpflichtet irgendwelche Angaben zu machen, außer deiner Personalien. Diese werden für die Abrechnung mit der Krankenkasse benötigt. Lass dir im Krankenhaus deine Verletzungen attestieren.

Wieder zu Hause

Kleidung, die mit Pfefferspray in Kontakt gekommen ist, solltest du umgehend waschen. Außerdem solltest du kalt (Warmwasser öffnet die Poren) duschen um Restpartikel aus Haut und Haaren zu waschen. Fertige direkt im Anschluss ein Gedächtnisprotokoll an in dem du die Situation detailliert dokumentierst. Wenn du verletzt wurdest suche deine Hausärztin bzw. Hausarzt auf um dir die Verletzungen attestieren zu lassen. Wende dich anschließend an die GWH. Auch wenn du kein Bedürfnis nach rechtlichen Schritten hast, ist es für uns wichtig derartige Fälle intern auszuwerten, um daraus Schlüsse für unsere weitere Arbeit zu ziehen.

Neben körperlichen Blessuren hinterlässt Polizeigewalt manchmal auch psychische Spuren. Um das Erlebte besser zu verarbeiten, kann es helfen, dich mit deinen Freund*innen darüber auszutauschen. Wenn dich die Situation gar nicht mehr loslässt und du auch nach mehreren Wochen darunter leidest, kann es möglicherweise zu einem Trauma gekommen sein. Dies solltest du nicht ignorieren und dir therapeutische Hilfe holen.

Strafanzeige gegen Polizeikräfte

Wie und ob es Sinn macht, gewalttätiges Verhalten zur Anzeige zu bringen, haben wir in einem separaten Beitrag behandelt. Von „Schnellschüssen“ und Anzeigen vor Ort ist absolut abzuraten. In keinem Fall solltest du dies ohne vorherige rechtliche Beratung tun!